Ja ja...
Die folgenden Zeilen mögen sich vielleicht undankbar anhören, oder so als wenn ich es bereue, mich transplantieren zu lassen... Falsch! Ich bin nach wie vor dankbar über die mir geschenkte Zeit. Es sind lediglich ein paar Dinge, die mir auf der Seele liegen. Und wer mich kennt weiß, dass ich im Bezug zu meiner Erkrankung und Werdegang, nicht wirklich zimperlich bin...
In letzter Zeit kreisen meine Gedanken halt um viele Dinge, die mit meiner Gesundheit, Hoffnung, Niederlagen etc. kreisen...
„Herr Cohrs, lassen Sie sich transplantieren. Es wird Ihre Lebensqualität verbessern.“ Ja, hat es in dem Sinne wie die Mediziner es sehen. Auch in Bezug auf mich selber, klar. Wer will denn nicht leben? Es ist nur wie es mir „verkauft“ wurde. Alles besser, größer, schneller und höher. Niemand hat mir gesagt, dass die Nieren aufgeben oder schwerst eingeschränkt sein werden. Niemand hat mir gesagt, wenn jemand an dir vorbeirennt und niest, dass ich dann wochenlang damit zu kämpfen habe. Keiner hat mir gesagt, was im Körper alles zu Bruch geht, durch den Eingriff, die Medikamente und dem ganzen drumherum... Wie in meinem Bericht vorher schon erwähnt, ging die letzte Zeit einiges schief. Angefangen bei dem Herzkatheter und noch nicht beendeten jetzt. „Lassen Sie sich bitte laut StiKo Empfehlung impfen.“ Gesagt getan, war ich Anfang November zur Grippeschutz Impfung. Erst war alles schick, das war auf dem Dienstag. Freitag fing es an mir schlecht zu gehen. Husten, Fieber, körperliche Schwäche. Ok, warum auch nicht, eine Impfreaktion. Kann ja jederzeit mal passieren. Das Wochenende lag ich völlig flach. Nur im Bett. Am husten und Schmerzen in der linken Brust. Im laufe Der Zeit, wurde der Husten schlimmer, die Brustschmerzen fühlten sich echt heftig an. Also zum Arzt. Abgehorcht, nix zu hören, ok, war schon mal beruhigend. Die Schmerzen, untypisch, dennoch lieber EKG gemacht. Nichts, komplett unauffällig. Ok, auch beruhigend. Eine Woche später, immer noch die selben Symptome. Also wieder ab zum Arzt. Abgehorcht, klingt belegt, aber na ja, ist wohl nichts. Aber, doch lieber zum Kardiologen. Herzecho gemacht. Festgestellt was ich schon wusste, drei Herzklappen die auf dem letzten Loch pfeifen, aber alles unauffällig. Ist ja komisch, ich bilde mir den Scheiss doch nicht ein...
Am nächsten Tag, beim Arzt, bekam ich dann eine Überweisung zum Röntgen. Endlich mal was handfestes. Also ab nach Stade, Lungen röntgen in 2 Ebenen. Anschließend rein zu dem Arzt dort beim Krankenhaus. „Herr Cohrs, Sie haben eine Lungenentzündung beidseits und sehen Sie da, eine Rippenfellentzündung an der Stelle wo bei der Transplantation die 2 Rippen entfernt wurden.“ Ja super und nun?
Warm halten, nicht anstrengen usw. Na toll...
Am nächsten Tag dann nach langen hin und her telefonieren den Hausarzt an der Strippe: „Da sollten wir ein Antibiotikum geben.“
Sollten? Erste Anweisung damals an den Hausarzt von der MHH aus war: Wenn irgendwas ist, tot schmeißen mit Antibiotikum!
Naja, nun bin ich mal gespannt, wie lange ich den Mist an den Hacken haben werde. Jeder der sich mit dem Thema Transplantation mal auseinander gesetzt hat weiß, dass wir hoch immunsuppressiert sind. Heißt zu deutsch, wenn wir Infekte und solche Dinge haben, behalten wir die Länger als wir es uns wünschen. Auch eines der Sachen, die uns vorher nicht erzählt wurden. Erfahrungen, die wir im Laufe der Zeit sammeln durften.
Das mein erhaltenes Herz irgendwie nicht ganz so top ist, wie immer gesagt wurde, musste ich ja vor einiger Zeit schon hören. Wo ich den Schrittmacher bekam, weil Sinusknoten (Taktgeber im Herz) defekt ist.
Beim ersten Herzkatheter hieß es dann ja: Transplantatvaskulopathie. (Transplantatvaskulopathie (TV) ist eine chronische Abstoßungsreaktion nach einer Herztransplantation, die zu einer Verdickung und Verengung der Koronararterien führt. Diese Schädigung ist eine der Hauptkomplikationen und eine wesentliche Begrenzung der Langzeitüberlebenszeit des Spenderherzens, da sie die Blutversorgung des Transplantats beeinträchtigt.)
Also bekam ich ja Stents bis zum abwinken. Nächste Intervention soll im Februar 2026 besprochen werden, beim nächsten Termin in der HTX-Ambulanz. Ich muss ganz ehrlich sagen, ich bin echt wenig begeistert. Wieder ein Herzkatheter, wieder Kontrastmittel, wieder voll auf die Niere und wieder volles Risiko dass irgendwas schiefgehen kann. Klar soll man immer positiv denken, aber nach der ganzen Grütze die ich das vergangene Jahr hatte? Weiß nicht... Bin schon zum letzten Herzkatheter mit einem echt mulmigen Gefühl gefahren.
„Herr Cohrs, lassen Sie sich transplantieren. Es wird Ihre Lebensqualität verbessern.“